
Nachdem ich mich lange und eingehend mit dem Freileben der von mir gehaltenen Arten beschäftigt habe, bin ich zur Erkenntnis gekommen, dass das von mir bisher verwandte Futter nicht den tatsächlichen Ernährungsgewohnheiten meiner Pfleglinge entspricht. Insbesondere der Fettgehalt erschien mir bei der verfütterten Mischung aus Großsittichfutter und Hamsterfutter zu hoch, da die meisten, der von mir gepflegten Nager, insbesondere die Rennmäuse, aus Gegenden mit knappem Nahrungsangebot stammen. Einen wesentlichen Anteil am Nahrungsspektrum der freilebenden Nager haben Gras, Grassamen und Wurzeln, lediglich ergänzt durch tierisches Eiweiß.
Ich bin deshalb dazu übergegangen, meinen Tieren ein Futter anzubieten, was ihrem natürlichen Nahrungsspektrum entspricht. In einem ersten Schritt habe ich deshalb den meisten Arten sämtliche Obstrationen gestrichen und sie durch Wurzelgemüse ersetzt. Hintergrund für diese Entscheidung ist zum einen, dass z.B. eine Rennmaus in freier Wildbahn wohl kaum jemals an einen Apfel herankommt, hingegen Wurzel für sie jederzeit erreichbar sind. Auch der hohe Gehalt an Einfachzuckern (Fruchtzucker) von Obst steht im Widerspruch zum Gehalt an Mehrfachzuckern (Stärke) bei Wurzeln. Da aber das Verdauungssystem der Tiere sich im Laufe der Evolution auf den Abbau der Stärke zur Energiegewinnung spezialisiert hat, kann die Gabe von leicht verdaulichen Einfachzuckern dauerhaft zu Schäden führen. Ein Beispiel hierfür ist die Linsentrübung von Degus in Folge einer Diabetes. Des weiteren bin ich davon überzeugt, dass die verkürzte Lebenserwartung von mongolischen Rennmäusen nicht nur auf Inzucht zurückzuführen ist, sondern auch die Folge einer zu guten Ernährung ist. So sind mir durchaus Tiere bekannt, die aufgrund zu reichhaltiger Ernährung ein Gewicht von 100g deutlich überschritten haben. Da das Organssystem der Tiere aber auf solche Körpermassen in keinster Weise ausgelegt ist, bleiben Organschäden nicht aus.
Aufgrund dieser Erfahrungen möchte ich mein Futterkonzept hier vorstellen.
Renmäuse, Akazienmäuse, Akazienratten, Streifengrasmäuse
Grundfutter
| Futterart | Körnerfutter | Grünfutter | tierisches Eiweiß |
| Zusammensetzung | 50%
Wellensittichfutter 20% Kanarienfutter ohne Rübsen 30% Grassamen |
Möhre Schwarzwurzel Steckrübe rote Beete Petersilienwurzel Löwenzahn Hirtentäschel etc. |
2
Mehlwürmer 2 Heimchen 1 Teelöffel Insektenfutter 1 Teelöffel Eifutter etc |
| Menge | 2 Teelöffel pro Tier/Tag | ad libidum | alternativ pro Woche/Tier |
Bei der Zusammenstellung dieses Futters wurde darauf geachtet, den Fettanteil möglichst gering zu halten. Zusätzlich ist der Proteingehalt so eingestellt, dass er für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen ausreichend ist. Um die Vitaminversorgung der Tiere zu gewährleisten erhalten sie einmal wöchentlich einen Teelöffel Keimfutter pro Tier.
Zuchtfutter
| Futterart | Körnerfutter | Grünfutter | tierisches Eiweiß |
| Zusammensetzung | 40%
Wellensittichfutter 20% Kanarienfutter ohne Rübsen 25% Grassamen 5% Sesam 5% Dinkel oder Weizen 5% Buchweizen |
Möhre Schwarzwurzel Steckrübe rote Beete Petersilienwurzel Löwenzahn Hirtentäschel etc. |
2
Mehlwürmer 2 Heimchen 1 Teelöffel Insektenfutter 1 Teelöffel Eifutter etc |
| Menge | 2 Teelöffel pro Tier/Tag | ad libidum | alternativ alle 2 Tage/Tier |
Für die Zucht wird der Anteil an Proteinen hochgefahren, um eine optimale Entwicklung der Embryonen gewährleisten zu können. Zusätzlich erhalten die Tiere 2-3mal wöchentlich einen Teelöffel Keimfutter, um die Vitaminversorgen sicherzustellen.
Das Zuchtfutter wird mit Beginn der Zuchtzeit und bis zur Selbstständigkeit der Jungtiere gereicht. Nach Absetzen der Jungtiere erhalten die Alttiere wieder das Grundfutter.
Aufbaufutter
| Futterart | Körnerfutter | Grünfutter | tierisches Eiweiß |
| Zusammensetzung | 40%
Wellensittichfutter 20% Kanarienfutter ohne Rübsen 15% Grassamen 5% Sesam 5% Dinkel oder Weizen 10% Buchweizen 5% Leinsamen
|
Möhre Schwarzwurzel Steckrübe rote Beete Petersilienwurzel Löwenzahn Hirtentäschel etc. |
1
Teelöffel Insektenfutter 1 Teelöffel Eifutter etc |
| Menge | ad libidum | ad libidum | alle 2 Tage/Tier |
Das Aufbaufutter wird kranken oder schwächlichen Tieren gereicht. Da diese einen erhöhten Energiebedarf haben, ist der Fettgehalt dieses Futters entsprechend größer. Dieses Futter wird so lange gereicht, bis die Tiere ihr Normalgewicht erreicht haben. Auf Keimfutter wird dabei verzichtet, um Durchfallerkrankungen vorzubeugen.
Die Daten wurden Mir mit freundlicher Genehmigung von Ralf
Sistermann zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank!